Geplante Obsoleszenz


 

    Man hat es eigentlich schon immer im Verdacht gehabt:

die neuen Produkte halten nicht mehr so lange wie die der guten alten Zeit.
    Da mag schon keiner mehr an Zufall glauben, wenn knapp nach Ablauf der Gewährleistungsfrist die Waschmaschine, der Drucker oder der Küchenmixer defekt wird.

Und scheinbar steckt Methode der Produzenten dahinter.

 

Dazu einige interessante Artikel und Links:

 

 

Konsument 2/2013 Lebensdauer von Produkten
 
Artikel Zdnet http://www.zdnet.de/88140807/streit-um-geplante-obsoleszenz-ein-betriebswirt-heizt-den-herstellern-ein/

 

"Kaufen für die Müllhalde": Der Klassiker zum Thema!
https://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA
 
Kalkulierter Ausfall - RBB https://www.youtube.com/watch?v=n6QHuNib748
 
Welt des Wissens https://www.youtube.com/watch?v=SoOdfcpZIHk
 
ORF Konkret Meldungen an die Konkret-Redaktion
https://www.youtube.com/watch?v=vbMhbWEibxM
   
Murcks melden Protestforum in Deutschland
http://www.murks-nein-danke.de/blog/
 
Facebook Auch auf  Facebook organisiert man sich
https://www.facebook.com/Gegen.geplante.Obsoleszenz
 
Glühbirne in Livermore
(seit 1901 in Betrieb)
Der Gegenbeweis
http://www.centennialbulb.org/
 
Reparieren bringt's! http://www.reparaturnetzwerk.at/start.asp?b=3058

 

 

 

Lebensdauer von Produkten

Geplanter Schrott

KONSUMENT 2/2013 - veröffentlicht am 14.01.2013, aktualisiert am 21.02.2013

 

Zufall oder Absicht? Viele Geräte geben nach Ablauf der Gewährleistung ihren Geist auf. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um geplanten (künstlichen) Verschleiß handelt.

Das hat wohl jeder schon erlebt: Kaum ist die Gewährleistungsfrist eines Gerätes abgelaufen, ist es auch schon defekt. Zufall? Ein Montagsgerät erwischt? Mitnichten. Der Wahnsinn hat nach Meinung von Kritikern vielmehr Methode und auch einen Namen: geplante Obsoleszenz. Der aus dem Lateinischen kommende Begriff bedeutet soviel wie „veralten“. Es handelt sich also, wenn man so will, um ein internes Ablaufdatum, welches die Lebenszeit von Geräten bewusst beschränkt – am besten (aus der Sicht von Herstellern und Handel) auf den Zeitraum kurz nach Ablauf der zweijährigen Gewährleistungsfrist. Geplanter oder künstlicher Verschleiß?

Geplanter Verschleiß?

Danach wird entweder eine (teure) Reparatur fällig oder eine Neuanschaffung. Und genau das sei das Ziel, behaupten Kritiker. Ingenieure und Designer würden von den Herstellern dazu angehalten, die von ihnen entworfenen Produkte so zu konstruieren, dass sie bei durchschnittlicher Nutzung innerhalb eines vorhersehbaren Zeitraums den Geist aufgeben.

Fakt oder Verschwörungstheorie?

„Reine Verschwörungstheorie“, halten Hersteller und Handel dem entgegen, sie produzierten einfach (auch) Geräte, die der verbreiteten „Geiz-ist-geil“-Mentalität entsprächen, also in erster Linie billig sein müssten, da Qualität und Langlebigkeit für viele Konsumenten keine Kaufargumente seien. Und Billigware habe nun einmal eine kürzere Lebenserwartung als qualitativ hochwertige und somit teurere Produkte.

Kaum echte Beweise

Im Einzelfall lässt sich tatsächlich schwer ein vorsätzlicher Fehlereinbau nachweisen, da sich noch kein Konstrukteur oder Designer fand, der dies öffentlich eingestanden hätte. Dieser Art von Beweis bedürfe es aber auch gar nicht, sagen die Kritiker, denn die täglichen Erfahrungen zahlloser Verbraucher und die Kenntnis der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge seien Indiz genug.

Umfrage: Was haben Sie erlebt?

Gibt es die Obsoleszenz (künstlicher Verschleiß) oder ist das nur ein Mythos? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie könnte man die Müllproblematik in den Griff bekommen? Machen Sie an der Umfrage mit, wir werden die Ergebnisse veröffentlichen.

Die klassische Obsoleszenz

Eingebaute Fehler sind die am einfachsten zu durchschauende Form der geplanten Obsoleszenz. So erstand beispielsweise der Autor dieses Beitrages vor längerer Zeit fünf Laptops der Marke Acer fürs Büro – innerhalb von 14 Tagen nach Ablauf der Gewährleistungsfrist gaben drei davon mit identem Fehler am Festplatten-Controller den Geist auf; die restlichen folgten im Monatsabstand. Reparatur- und Ersatzteilkosten hätten fast zwei Drittel des Neupreises ausgemacht. Kulanzregelung nicht möglich. Konsequenz: Geräte selbst zerlegt und neue Festplatten eingebaut; kein weiterer Kauf von Geräten dieses Herstellers.

Eine weitere Spielart ist die Auswahl von Materialien für die Konstruktion von Geräten, die nur begrenzte Zeit „miteinander können“. Wenn etwa ein Kunststoff-Zahnrad in ein solches aus Metall greifen muss (Küchen-Rührgeräte), sollte jedem TU-Studenten im zweiten Semester klar sein, dass das Plastikteilchen hier bald der Verlierer sein wird, weil es ausbricht.

Die hinterlistige Obsoleszenz

Dabei genügt bereits der Ausfall einer Gerätekomponente, um auch alle anderen Funktionen lahmzulegen: KONSUMENT-Leser Albert L. berichtet von einem Canon-Multifunktionsgerät (Neupreis 170 Euro), das nach mäßiger Nutzung eine Fehlermeldung brachte, die den Canon-Servicepartner auf einen Defekt im Druckkopf schließen ließ. Noch mehr als die veranschlagten 100 Euro Reparaturkosten ärgerte den Kunden, dass mit der aufgetretenen Fehlermeldung nicht nur die Druckfunktion ausfiel, sondern auch Scan- und Faxfunktion lahmgelegt wurden. Damit besaß er nun ein „Multi-Nicht-Funktionsgerät“ … Trotz wiederholter Anläufe erhielt er keine Stellungnahme des Canon-Supports zu dieser Art von Fehlern. Seine Konsequenz daraus: „Nie wieder ein solches Gerät.“

Die mutwillige Obsoleszenz

Hier werden von Servicecentern möglicherweise bewusst falsche Angaben zur Reparaturfähigkeit eines defekten Gerätes gemacht: Leser Franz K. war selbst Ingenieur beim Gerätehersteller Philips und erstand deshalb zwei TV-Geräte desselben Typs von „seiner“ ehemaligen Firma. Bei beiden ging nach einiger Zeit eine Lötstelle auf. Während sein Gerät in Eigenregie innerhalb von fünf Minuten neu verlötet war, brachte sein Verwandter, bei dem das zweite Gerät in Betrieb war, dieses zur Reparatur. Diagnose: irreparabler Fehler. Das Gerät wurde „kulanterweise“ kostenlos entsorgt, eine Neuanschaffung fällig.

Besonders Benutzer von Handys und Smartphones fühlen sich, betrachtet man die Beschwerdestatistik des Vereins für Konsumenteninformation, zunehmend dieser Form der Irreführung ausgesetzt: Von den Servicezentren würden „Feuchtigkeitsschäden“ an den Geräten behauptet, obwohl es zu solchen gar nicht gekommen sein kann, sagen die Konsumenten. Damit entzieht sich die Branche ihrer Gewährleistungspflicht (siehe dazu auch unten „Plan B“).

Die optische Obsoleszenz

Produkte können so gestaltet werden, dass sie nach Ablauf der Gewährleistung im Vergleich zu einem neuen Gerät im wahrsten Sinn des Wortes einfach „alt aussehen“: Für Kratzer anfällige Displays, leicht einzudellende Kunststoffgehäuse, Teile aus Kunstleder bei Handys, Smartphones und Tablets etwa führen zu einer optisch-haptischen Wertminderung; die Bereitschaft des Verbrauchers, ein neues Gerät anzuschaffen, steigt damit – selbst wenn dieses technisch nur unwesentliche oder gar keine Verbesserungen bietet.

Und warum das alles?

Als weiteres Indiz für das Existieren der Obsoleszenz führen Kritiker Folgendes an: Zwar wisse jedes Kind, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen können, Grundlage unseres gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems sei aber genau die (falsche) Annahme, dies sei durchaus möglich. Die Wirtschaft muss jedes Jahr wachsen, wachsen, wachsen.
Nahezu zwangsläufige Antwort der Wirtschaft: Sie bringt immer mehr neue Produkte auf den Markt und/oder „programmiert“ eben eine kürzere Lebenszeit der vorhandenen Geräte.

Alle drei Minuten ein neues Produkt

Was die Anstrengungen in Richtung neuer Produkte betrifft, sind diese tatsächlich gigantisch. Sie entbehren gleichzeitig auch nicht einer makabren zahlenmäßigen Verwandtschaft: Während weltweit etwa alle drei Sekunden ein Kind an Unterernährung oder an einer im Grunde leicht zu behandelnden Krankheit stirbt, erblickt alle drei Minuten ein neues Produkt das Licht der Welt. Weit mehr als 90 Prozent davon sind Flops, können sich also am Markt nicht durchsetzen. Die Verkürzung der Lebenszeit von bereits eingeführten, dem Konsumenten vertrauten Produkten mag hier aus Sicht der Hersteller als der risikolosere Weg zu steigendem Absatz erscheinen.

Plan B: Reparatur unmöglich

Die Reparatur zu verunmöglichen, sehen Obsoleszenz-Kritiker als den schmutzigsten Trick der Hersteller an. Denn dazu müssen gar keine minderwertigen Bauteile verwendet werden – es genügt, das Innenleben eines Gerätes einfach mehr oder weniger unzugänglich zu machen. Etwa dadurch, dass Gehäuse von Geräten verklebt statt verschraubt werden; dass dort, wo es noch etwas zu schrauben gibt, Spezialschrauben eingesetzt werden, die ebensolche Schraubenzieher oder sonstige Spezialwerkzeuge zum Öffnen erfordern (wie etwa bei vielen Nespresso-Modellen).

iPod: Sammelklage schreckt Apple

Hartnäckigen Verbrauchern, die selbst diese Hürde zu nehmen bereit sind, wird die Reparatur-Latte noch höher gelegt. Das machte schon vor Jahren ein zumindest in der Zeit davor für die Qualität seiner Produkte gerühmter Hersteller vor: Apple. Er baute in seine portablen MP3-Player (iPod) fest verdrahtete Akkus mit geringer Lebensdauer ein. Deren Austausch hätte die Verbraucher annähernd so viel gekostet wie ein neues Gerät. Erst nach einer drohenden Sammelklage von Tausenden iPod-Benutzern lenkte der Hersteller ein, bot eine verlängerte Gewährleistung oder den Austausch an.

Eine Waschmaschine mit Plastikbottich hält oft kaum drei Jahre; Stahl ist viel besser (Bild: R.U.S.Z.) 

Eine Waschmaschine mit Plastikbottich hält oft kaum drei Jahre. Bei einem Bottich aus Edelstahl kann die Lebensdauer 20 Jahre und mehr betragen. aus welchem Material der Bottich ist, kann man häufig selbst überprüfen, indem man die Türmanschette ein wenig zur Seite zieht  (Foto: R.U.S.Z.).

iPhone: Kunde kann Akku kann nicht tauschen

Wirklich gelernt hat das einstige Flaggschiff in Sachen Benutzerfreundlichkeit daraus aber offensichtlich nicht: Auch die aktuellen iPhones verfügen über einen fest eingebauten, vom Anwender nicht austauschbaren Akku. Der hält rund 500 Ladezyklen lang. Bei üblicher Nutzug entspricht das etwa einem Zeitraum von zwei Jahren – just so lange ist (welch ein Zufall) auch die Mindestvertragsdauer der Netzbetreiber für die angeblichen „0-Euro“- oder drastisch „verbilligten“ Smartphones.

Plan C: Reparaturen unerschwinglich machen

Kaum hält man eine Steigerung noch für möglich – und dennoch ist es so, sagen die Obsoleszenz-Kritiker. Bei Laptops, Smartphones, Handys und anderen Geräten kann der Konsument nicht einfach in den nächsten Shop gehen, um einen Teil ersetzen zu lassen. Er muss das defekte Gerät vielmehr in einen vom Hersteller dazu autorisierten Betrieb bringen (lassen), welcher sich penibel an die (Kosten-)Vorgaben eben dieses Herstellers zu halten hat.

Ersatzteile nicht lieferbar

Die dort verlangten Preise sind häufig nicht nachvollziehbar und liegen – erneuter Zufall? – meist nur knapp unter den Kosten für ein Neugerät. Alternativen dazu gibt es für den Verbraucher nicht: Reparaturanleitungen werden gegenüber Dritten (etwa freien Werkstätten) unter strengem Verschluss gehalten, Ersatzteile schlicht nicht geliefert. Diese Erfahrung musste unlängst auch der Betreiber einer in Australien beheimateten Website (www.ifixit.com) machen, der kostenlos Reparaturhandbücher für Toshiba-Laptops anbot: Der Hersteller drohte ihm mit Berufung auf das Copyright mit einer Klage in der astronomischen Höhe von 150.000 Dollar pro Handbuch. Der Betreiber nahm die Unterlagen vom Server …

Psychologische Obsoleszenz

Schließlich gibt es auch die Spielart der "psychologischen Obsolenz“. Darunter ist eine Vermarktungsstrategie der Hersteller zu verstehen, die darauf abzielt, dem Verbraucher einzureden, er benötige immer das allerneueste Produkt, um „in“ zu sein oder zu bleiben. Die entsprechenden Bilder gehen regelmäßig um die Welt:

  • mitternächtliche Menschenschlangen vor Shops, welche die neueste Spielkonsole anbieten werden
  • Gerangel um die aktuellste Version eines Computer-Betriebssystems
  • an Hysterie grenzende Bemühungen, das brandaktuelle Smartphone zu erstehen (dies noch gefördert von unreflektierter Medien-Berichterstattung, bei der die tatsächliche Qualität der Produkte meist ausgespart bleibt, und durch Promotion-Aktionen der Provider)

In solche Fallen muss der aufgeklärte Konsument nicht tappen, meinen wir, das ist Teil der Selbstverantwortung. Viele tun es dennoch, gehen den werblichen Bemühungen der Hersteller und Vertreiber („0-Euro-Handy“) somit auf den Leim.

Marketingfalle "Geiz ist geil"

Selbst wenn die entsprechende Werbekampagne eines heimischen Anbieters so gut wie alle erdenklichen Werbe-Preise eingefahren hat (Zeichen einer fehlgeleiteten Konsumgesellschaft?): Wer sich ausschließlich am – vermeintlich – niedrigen Preis eines Produktes orientiert, kann keine langlebige Qualitätsware erwarten. Schnäppchen- und Aktionsjäger tappen vielmehr häufig in die Marketing-Falle der entsprechenden Anbieter.

Produkte nach der "Aktion" billiger

Nicht selten beobachten wir, dass Artikel vor und nach einer vermeintlichen „Aktion“ um 20 bis 30 Prozent billiger sind als während dieser Zeitspanne. Häufig gilt die alte Weisheit: „Wer billig kauft, kauft teuer.“ Leider gilt jedoch der Umkehrschluss nicht mehr: Wer teuer kauft, kauft nicht automatisch gut. Nahezu alle unsere Tests quer über alle Produktgruppen zeigen, dass die teuersten Produkte keineswegs die besten sein müssen.

Markennamen? Kein Verlass

Auch auf bekannte Markennamen ist nicht mehr durchgehend Verlass. Selbst deren Hersteller bemühen sich, das Marktsegment der „Schnäppchenjäger“ zu bedienen – entsprechende Einbußen in der Qualität der Produkte sind die Folge.

So werden teure Produkte zu Ramsch gemacht

Formen der Obsoleszenz

Waren werden in voller Absicht so auf den Markt gebracht, dass entweder teure Reparaturen oder eine Neuanschaffung zu einem Zeitpunkt fällig werden, der nicht der technisch möglichen Lebensdauer des jeweiligen Produktes entspricht. Und zwar bedingt durch

  • deren Zusammensetzung (z.B. Plastik auf Metall)
  • deren Fertigung (z.B. fest verlötete Akkus in Handys, nicht ablösbare und somit nicht erneuerbare Schuhsohlen)
  • deren Konstruktion (gepresste, verklebte statt zu schraubende Teile)
  • deren äußere Bestandteile (sich schnell abnutzende oder leicht zerkratzbare Teile)
  • deren innere „Qualitäten“ (Kunststoff- statt Metallteile, z.B. bei Waschmaschinen)
  • die Verwendung von minderwertigen Einzelteilen (z.B. Kondensatoren oder Netzteile, etwa von TV-Geräten)

Reparieren ist möglich – interessante Links

  • www.repanet.at: Österreichweites Verzeichnis von Reparaturbetrieben und Plattform für Reparaturnetzwerke, zahlreiche Infos rund um dieses Thema
  • www.reparaturnetzwerk.at: Zahlreiche Informationen zu Reparaturmöglichkeiten mit Suchmaschine zum Auffinden reparierender Betriebe aller Branchen in Wien
  • www.rusz.at: Infos zum Thema Obsoleszenz sowie zum Angebot des Reparatur- und Servicezentrums in Wien 14
  • www.murks-nein-danke.de: Website mit der Möglichkeit, künstlich veraltete Produkte zu melden
  • www.arge.at: Website mit Infos zum Thema Abfallwirtschaft und Obsoleszenz
  • www.teamhack.de: Reparaturanleitungen und technische Anleitungen von „Abgasmessung“ bis „Wäschetrockner“
  • www.frustikus.at: Hier haben Betroffene die Möglichkeit, Produkte zu melden, die nicht so funktionieren, wie sie sollten
  • www.alle-bedienungsanleitungen.de: Verzeichnis für Bedienungsanleitungen von „Auto“ bis „Zelt“; Rechercheantrag für schwer auffindbare Anleitungen möglich
  • www.ifixit.com: Englische Website mit unzähligen Reparaturanleitungen und der Möglichkeit, selbst solche zu erstellen und der Community zur Verfügung zu stellen
  • www.konsument.at/schlechteerfahrung: auch in unserem Konsument-Forum "Schlechte Erfahrungen gemacht" können Abonnenten entsprechende Informationen veröffentlichen.

Interview mit Sepp Eisenriegler (R.U.S.Z.)

Reparieren statt wegwerfen ist nur scheinbar aus der Mode gekommen. In Wahrheit blüht dieses Pflänzchen (wieder), führt aber ein Dasein im medialen Schatten.

Sepp Eisenriegler ist Geschäftsführer des RUSZ (Reparatur- und Servicezentrums) in Wien (Foto: Karl Schreiner) 

Denn während allein die leise Ankündigung eines neuen Smartphones der Marktführer weltweit für ein Rauschen im Blätterwald sorgt – und damit für kostenlose Werbung im Gegenwert von vielen Millionen Euro –, haben es Reparaturbetriebe schwer, ihre Leistungen ins rechte mediale Licht zu rücken. Einer davon ist das R.U.S.Z (Reparatur- und Service-Zentrum) in Wien 14, mit dessen Geschäftsführer Sepp Eisenriegler KONSUMENT sprach:

KONSUMENT: Herr Eisenriegler, was lassen Konsumenten bei Ihnen reparieren und welche Trends erkennen Sie?
Eisenriegler:
Im Jahr 2012 haben wir weit mehr als 5.000 Reparaturen durchgeführt. In erster Linie Haushaltgroßgeräte wie Waschmaschinen, Waschtrockner, Trockner, Geschirrspüler. Diese werden im Vergleich doppelt so oft repariert wie Unterhaltungselektronik. Espressomaschinen haben einen Anteil von nahe 10 Prozent an unseren Reparaturaufträgen – Tendenz steigend.

… und da schleppen die Leute tatsächlich ihre kaputten Großgeräte zu Ihnen?
Nicht unbedingt. Wir kommen auch ins Haus. Was vor Ort erledigt werden kann, wird gemacht. Andernfalls erhält der Verbraucher einen Kostenvoranschlag und kann auf dessen Basis entscheiden.

Lohnt sich eine Reparatur überhaupt?
Nicht immer, aber meist. Nostalgiegeräte – wie Röhrenradios, Tonbandmaschinen oder Video-2000-Recorder – reparieren zu lassen mag teurer kommen, als ein neues Gerät mit gleicher Funktionalität anzuschaffen. Da spielen aber oft persönliche Komponenten eine Rolle; man hängt am Gerät.

Wo machen Verbraucher nach Ihrer Erfahrung Fehler beim Kauf?
Zum Beispiel bei Waschmaschinen. Ein praktisch nicht sinnvoll zu reparierendes „Billig“-Produkt kostet heute etwa 300 Euro, hält aber nach unseren Erfahrungen auch nur etwa drei Jahre, da Stoßdämpfer den Geist aufgeben, das im Kunststoffbottich eingepresste Lager kaputt wird, der Lagersitz ausschlägt. Eine reparaturfreundlich konstruierte Waschmaschine hingegen – die es meist um rund 1.000 Euro gibt – hält rund 20 Jahre und kommt somit, möglicherweise anfallende Reparaturen schon berücksichtigt, unterm Strich deutlich billiger.

Fast ein durchschnittliches Monatsgehalt für eine Waschmaschine hinzulegen, das kann sich aber nicht jeder leisten.
Das stimmt. Wir hoffen deshalb, im Frühjahr 2013 ein Finanzierungsmodell präsentieren zu können, das es auch einkommensschwachen Verbrauchern ermöglicht, ein langlebiges Produkt zu einem leistbaren Preis zu erwerben.

Hat der Kauf von derartigen „Billig“-Produkten auch einen Umweltaspekt?
Die Frage können Sie sich selbst beantworten. 500.000 Waschmaschinen müssen jährlich in Österreich entsorgt und in Folge neu beschafft werden. Nebeneinander auf der Westautobahn gereiht, entspricht diese Anzahl in etwa der Entfernung von Wien nach Salzburg.

… dafür sind die neu anzuschaffenden Maschinen doch energiesparender!
Unsinn. Das Potenzial an Energiesparmaßnahmen ist längst ausgeschöpft. Maschinen der letzten Generation brauchen 3 Stunden für einen Waschgang – und somit die dafür benötigte elektrische Energie. Gleichzeitig wird das Waschmittel meist nicht vollständig ausgespült, die Temperatur erreicht nur zwei Drittel der eigentlichen gewählten … Es bleibt der ökologische Fußabdruck für die Produktion des neuen Gerätes und die Entsorgung des alten.

Gibt es Produkte, die vom Konsumenten zu schnell entsorgt werden?
Jede Menge. Mobiltelefone etwa, die über Netzgebühren finanziert werden. Elektrische Zahnbürsten, Kaffeekapselmaschinen, Billig-Drucker, die über ihre Verschleißteile quersubventioniert werden …

Welche Produkte sind besonders schwer zu reparieren?
Smartphones mit SMD-Technik gehören zweifellos dazu. Apple etwa definiert die Lebensdauer bei seiner neuen Produktgeneration über den Verschleißteil Akku! Aber auch die erwähnten Wegwerf-Waschmaschinen gehören dazu. Die neuen Trockner mit Abwärmerückgewinnung ebenfalls (einzige mir bekannte Ausnahme: der neue HPD 7 von Eudora, den wir jetzt im Programm haben). Prinzipiell gehören auch alle Billig-Kleingeräte dazu, die weniger kosten als eine halbe Reparaturstunde.

 

 

Interview mit einem Händler: „Ein Drittel schmeiße ich gleich weg“

KONSUMENT hat einen Händler gefunden, der sich in die Karten blicken lässt. Bernhard C. (Name von der Redaktion geändert), im Import und Verkauf von elektronischen Waren tätig, erklärt, warum der Handel oft lieber den Kaufpreis retourniert, statt defekte Geräte zur Reparatur oder zum Austausch zu übernehmen – und damit der geplanten Obsoleszenz Vorschub leistet.

Ein Elektronikhändler gab KONSUMENT ein Interrview, will aber anonym bleiben  

KONSUMENT: Einer unserer Leser berichtet davon, einen Zwetschken-Dörrer im Wert von rund 30 Euro bei Hofer erstanden zu haben, der nach kurzer Zeit nicht mehr funktionierte. Bei Reklamation wurde dieser weder ausgetauscht noch die Reparatur angeboten. Vielmehr wurde der Kaufpreis – anstandslos – retourniert. Damit hat er Hofer eigentlich einen kostenlosen Kredit gewährt, und er steht letztendlich ohne Gerät da. Wie kann das sein?
Bernhard C.: Konkret kann ich diesen Fall natürlich nicht beurteilen. Generell gibt es dafür aber zwei Gründe: Es ist kein Austauschgerät mehr auf Lager und/oder es kommt einfach billiger, den Kaufpreis zurückzuerstatten.

Bei Rückerstattung geht doch dem Unternehmen der Umsatz verloren, oder?
Schon. Aber nicht gemachter Umsatz ist besser als gemachter Verlust. Der kann schnell entstehen, wenn man als Händler Reklamationen gegenüber seinem Lieferanten in Fernost geltend machen muss, wo Produkte dieser Preisklasse meist herkommen.

Das verstehen wir jetzt nicht so ganz …
Weil Sie möglicherweise die Marktgegebenheiten nicht so ganz kennen. Wenn man etwa ein niedrigpreisiges Produkt dieser Klasse „Made in China“ kauft, kann man es hier zum zehnfachen Einkaufspreis verkaufen. Als Einkäufer zahle ich also für den 30-Euro-Artikel umgerechnet 3 Euro. Das ist eine komfortable Spanne, die viel Raum für „Kulanz“ lässt.

… und das hat mit dem Handling von Reklamationen zu tun?
Selbstverständlich. Bevor ich ein Produkt zurück nach China schicke, tausche ich es lieber neunmal selber aus. Das ist immer noch billiger als die Retournierung zu Reparatur oder Austausch, für die ja auch endlose Zollformalitäten nötig sind und deren Transportkosten oft ein Vielfaches des Einkaufswertes der Ware ausmachen. Bei den von mir importierten Waren entspräche ein Warenwert von 3 Euro etwa einem Rücksendungsaufwand von 40 bis 60 Euro. Also tausche ich lieber ohne zu fragen aus.

… und wenn Sie keine Ware zum Austausch eines defekten Produkts mehr lagernd haben?
Spätestens dann mache ich es so wie der Händler in Ihrer Leser-Beschwerde: Geld zurück. Meist biete ich das aber gleich an, das macht am wenigsten Aufwand.

Was passiert dann mit den retournierten Geräten?
Die werden entsorgt.

Sie sprechen immer von Waren "Made in China“. Diese machen aber laut Statistik Austria nur 4,9 Prozent der Importe aus.
Kann schon sein. Aber schauen Sie sich mal an, was auf dem Herkunftsschild von Ihrem Handy, TV, CD-Player und vielen Waren des täglichen Gebrauchs steht. Die Importstatistik verschleiert hier mehr, als sie erklärt, da der Bezug dieser Waren oft über Drittländer geschieht. Das Herkunftsland ist ein ganz anderes. Und dieses steht halt meist für einen niedrigen Preis und oft mindere Qualität.

Dennoch verkaufen Sie Produkte dieser Herkunft?
Ja, aber ich prüfe sie, bevor sie in den Verkauf gehen. Und ein Drittel schmeiße ich von vornherein weg. Um möglichst keine Reklamationen zu haben.

Und was sagt der Verbraucher dazu?
Da hat mich noch keiner gefragt, woher das Teil kommt. Hauptsache, der Preis stimmt. Im Elektronikbereich hat es auch noch keine Katastrophen in Produktionsfirmen gegeben wie in der Textilbranche, wo Dutzende Arbeiterinnen ums Leben gekommen sind. Das interessiert den Konsumenten aber ohnehin nicht nachhaltig. Wenn er für ein T-Shirt 5 Euro zahlt, glaubt er, ein Schnäppchen gemacht zu haben, egal ob das von Kindern produziert wurde oder nicht, egal unter welchen Bedingungen.

Herr C., meinen Sie, dass Ihre Erfahrungen auf den gesamten Handel zu übertragen sind?
Nein. Weil ich als vergleichsweise kleiner Händler per Karton ordere, die großen Handelsketten hingegen per Container. Die haben also noch weit größere Spannen als ich. Was mich 3 Euro kostet, kostet für die 1 Euro. Aber das von Ihnen angesprochene Problem des Umgangs mit Reklamationen und mit Retouren bleibt gleich, denke ich.


 

 

Machen Sie mit und beteiligen Sie sich an unserer Online-Umfrage (läuft bis 3/2013) Obsoleszenz: Geräte mit Ablaufdatum – Mythos oder Realität?

 

 

Leserreaktionen

Ärger mit Energiesparlampen

Heute habe ich bereits zum dritten Mal bei einer Deckenlampe, die für 60 W zugelassen ist, seit Inkrafttreten des Verbotes der herkömmlichen Glühbirnen das Leuchtmittel wechseln müssen. Beim ersten Wechsel war es ein Billigprodukt, das nur wenige Wochen gehalten hat. Das habe ich dann durch ein vermeintliches Qualitätsleuchtmittel der Firma PHILIPS (Softone ESaver 16 W) ersetzt. Das hat nicht ganz ein Jahr gehalten.

Die herkömmlichen Glühbirnen waren immer erst nach mehr als zwei Jahren kaputt. Ich fühle mich da regelrecht betrogen, weil die neuen Lampen nicht nur ein Vielfaches kosten, sondern auch eine hohe Lebensdauer versprochen wird.

Ing. Walter Baudisch
Gunskirchen

Hier raten wir, beim Händler zu reklamieren. Auch nach Ablauf der Gewährleistungsfrist gibt es mitunter Kulanz.

Die Redaktion

Für langlebige Produkte

Insgesamt finde ich es als langjähriger Abonnent Ihrer Zeitschrift sehr gut, dass Sie sich mit diesem Thema jetzt intensiv auseinandersetzen. Es brennt mir einfach unter den Fingernägeln, denn ich gehöre nicht zu jenen Verbrauchern, die alles gleich entsorgen. Für mein Geld erwarte ich aber die Möglichkeit der langlebigen Nutzung ohne ständigen Reparaturaufwand.

Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie die Hinterhältigkeit dieser Firmenphilosophie mit der allgemein verbreiteten Obsoleszenz endlich aufzeigen. Ich bitte Sie, bei der Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen federführend mitzuwirken, um diese Missstände abzustellen.

Johann Guttmann
E-Mail

Häufiges Problem

Ich habe am 03.03.2012 einen Geschirrspüler der Marke AEG Favorit 55002 gekauft. Am 20.01 2013 zeigte das Display „Aquasafe-Einrichtung ausgelöst“ an. Ich verständigte den Kundendienst von AEG, die Firma Schneider.

Der Kundendiensttechniker stellte ein Loch im Bottich des Gerätes fest und beantragte den Austausch des Gerätes; 1 Tag später erhielt ich den Anruf der Firma Schneider, die mir mitteilte, dass AEG einen Austausch ablehne und den Bottich löten werde. Bei einem Anruf bei AEG erklärte mir ein Herr, dass das Loch durch das Spülersalz ausgelöst wurde, es sich nicht um einen Materialfehler handelt und das Gerät durch das Löten mit einem Reparatursatz wieder voll funktionsfähig ist.

Bei meinen Recherchen im Internet stellte ich fest, dass dieses Problem anscheinend öfter auftritt und AEG den Fehler immer auf das Salz abschiebt. Da dieses Problem bei meinem vorherigen Spüler von Bosch 17 Jahre nicht auftrat, nehme ich an, dass AEG mit dem Löten nur über die Gewährleistung kommen will.

Willibald Kerschhaggl
E-Mail

Hauptsache billig

Die Garantieabwicklung ist sauteuer für den Hersteller, durch die Geiz-ist-geil-Mentalität müssen die Produkte aber billig sein. Daher lautet die Anweisung an die Techniker: „Stellt ein Produkt her, das möglichst billig ist, aber zumindest knapp über die Garantiezeit hinaus lebt – Hauptsache billig!“

Franz Jakob
E-Mail

Reparieren nicht erwünscht

Der Konsument zahlt für die Wegwerfproduktion und für die Entsorgung, und viele verdienen dadurch ganz schön. Wir haben eine sehr gute ältere Waschmaschine (leider wird sie nicht mehr in Österreich erzeugt) und die hatte einen kleinen Defekt. Bei der Behebung des kleinen Schadens sagte der Techniker damals, „normal dürfte ich diesen Schaden nicht mehr machen“.

Heutzutage muss man Techniker finden, die noch Schäden reparieren. Viele würden heute noch gerne Qualitätsprodukte kaufen, etwas mehr bezahlen dafür, aber leider ist das fast nicht mehr möglich.

Hermann Laller
Lödersdorf

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